Der Gemeinderat der Stadt Bad Liebenzell sah sich im Jahre 2011 aus Kostengründen veranlasst, den Betrieb des städtischen Kurbusses einzustellen, eine Maßnahme, die die Mobilität in der Kurstadt merklich einschränkte und die ohnehin unbefriedigende Nahverkehrssituation verschärfte.

Der Beschluss veranlasste den Bad Liebenzeller Bürger Klaus Bounin, eine Initiative der Nachbargemeinde Oberreichenbach aufzugreifen und ein Konzept zu entwickeln, wie mit Hilfe ehrenamtlicher Fahrer die Funktion des Kurbusses übernommen und das Verkehrsangebot unter Einbeziehung der Höhenstadtteile und Nachbargemeinden bedarfsgerecht erweitert werden kann. Ziel war es zudem, den öffentlichen Linienverkehr durch individuelle Zubringer- und Abholdienste, insbesondere für die Benutzung der regionalen Buslinien und der im Nagoldtal verkehrenden Kulturbahn, zu ergänzen.

Die Idee fand in der Bürgerschaft großen Zuspruch, so dass für das Projekt in kurzer Zeit etwa 50 ehrenamtliche Fahrer gewonnen werden konnten. Das Konzept überzeugte auch den Gemeinderat, der dem Projekt am 23.10.2012 mit großer Mehrheit zustimmte und am 29.01.2013 einstimmig die Anschaffung und den Betrieb eines entsprechenden Fahrzeugs beschloss.

So konnte der ehrenamtliche Fahrdienst, der insbesondere älteren, behinderten, sozial schwachen und abseits wohnenden Bürgern helfen soll, möglichst lange selbständig in ihrer gewohnten Umgebung zu leben, am 29.04.2013 gestartet werden. Die Betriebsaufnahme erfolgte in Abstimmung mit dem Landratsamt Calw unter Beachtung der Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG), der Freistellungsverordnung (FrStllgV) und der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) als genehmigungsfreies Verkehrsangebot. In die Abstimmungsgespräche wurden auch die in Bad Liebenzell verkehrenden Bus-Unternehmen einbezogen.

Nach einer erfolgreichen Einführungsphase wurden zur Sicherung des weiteren Betriebs und zur Entlastung der Stadt im September 2016 Aufgaben im Bereich der Organisation und des Betriebs an die Bürgerschaft übertragen, die zu diesem Zweck den Verein „Freunde des Bürger-Rufautos“ gründete. Der Verein leistet seitdem nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Deckung der verkehrlichen Grundbedürfnisse in einer ländlich strukturierten Gemeinde, sondern unterstützt auch die städtische Daseinsfürsorge. Zudem fördert er mit seinem Fahrdienst die sozialen Kontakte der Bürger, die Integration insbesondere älterer und behinderter Personen sowie das Zusammenwachsen der Stadtteile, da Fahrgäste und Fahrer ins Gespräch kommen und sich kennenlernen und die ehrenamtlichen Fahrer regelmäßig zu Stammtischen zusammenkommen, um sich auszutauschen.

Wir freuen uns über den Erfolg des Projekts, die vielen dankbaren Fahrgäste und das große ehrenamtliche Engagement der Bürgerschaft.

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